In den USA bestimmen nur zwei große Parteien das politische Leben. Die Republikaner und die Demokraten stellen abwechselnd die Präsidenten und die Mehrheit im amerikanischen Parlament. Mit Barack Obama ist derzeit ein US-Präsident an der Regierung, der Kandidat der Demokratischen Partei gewesen ist. Wofür aber steht diese Partei?
Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst den Blick auf das amerikanische Parteiensystem richten. In den USA wird nach dem Mehrheitsprinzip gewählt. Das heißt: Jeder Wahlkreis stellt einen Kandidaten. Wer die meisten Stimmen bekommt, zieht ins Parlament ein. Personen sind deshalb sehr wichtig, Parteien hingegen untergeordnet. Die amerikanischen Parteien sind deshalb eine Vereinigung lokaler Interessensgruppen, die sich auf einem Minimalkonsens gemeinsam geteilter Werte zusammenfinden. Es gibt kein auf eine Weltsicht gegründetes Parteiprogramm, keine starken Parteifunktionäre, keine filigrane Struktur aus Bundes-, Landes- und lokalen Verbänden.
Deswegen ist es für Europäer stets etwas schwierig zu verstehen, wofür die Demokratische Partei der USA steht. Wie die Republikaner auch, dürfen sie als bürgerlich-liberal gelten. Eine Unterscheidung nach links-rechts im, europäischen Sinne greift in den USA also nicht. Von den alten Verfassungskonflikten bilden sich bei den Demokraten aber im Unterschied zu den Republikanern folgende Positionen ab: Sie stehen eher dem Mittelstand und der Landbevölkerung nahe, lehnen religiösen Konservatismus und wirtschaftlichen Protektionismus ab und treten für breite liberale Bürgerrechte ein. Am ehesten lässt sich das noch mit den Unterschieden von CDU/CSU und FDP in Deutschland vergleichen. In Fragen nach gleichgeschlechtlicher Ehe oder Stammzellenforschung vertreten die Demokraten zustimmende Positionen. Deutliche Unterschiede im Vergleich zu den Republikanern gibt es auch in der Frage nach der Terrorbekämpfung. Hier wird die ideologische Spannungslinie Freiheit vs. Sicherheit sichtbar. Während die Republikaner eher bereit sind, für den Zweck, die demokratische Ordnung aufrechtzuerhalten, individuelle Freiheitsrechte zeitweilig einzuschränken, lehnen die Demokraten dies vielfach ab. Lauschangriffe, Datensammlungen, Verhaftungen ohne Rechtsgrundlage oder die Verletzung der Wohnung sind für die meisten Demokraten keine verhältnismäßigen Mittel, den internationalen Terrorismus zu bekämpfen.
Unterschiede zu den Republikanern werden auch in der Sozialpolitik deutlich. In den USA gibt es keine Arbeiterbewegung im europäischen Sinne, obwohl Gewerkschaften als Interessensgruppen sehr einflussreich sind. Aus der Geschichte der USA heraus stellen diese aber gesellschaftliche Prinzipien wie Eigenverantwortung und Privateigentum nicht in Frage. Deswegen gibt es keinen Klassenkampf – und folglich keine starke sozialdemokratische oder kommunistische Partei. Da die Demokraten aber bei Wahlen auf die Unterstützung der Arbeiter angewiesen sind, greifen sie deren Interessen auf. Ein großes Projekt Obamas war etwa der Ausbau des Gesundheitssystems und eine allgemeine Krankenversicherung. Dabei ist Wohlfahrt hier aber nicht im deutschen Sinne der Umverteilung zu verstehen – sondern als Hilfe zur Existenzsicherung sozial schwächerer Milieus. Wiederkehrende Themen sind auch die Alterssicherung oder der Kündigungsschutz.
Berühmte Präsidenten der Demokraten waren Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy und Bill Clinton. Ihre größten Wahlerfolge feiern sie im Nordosten der USA und an der Pazifikküste.