Wie wird der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt?

Der Präsident der Vereinigten Staaten gilt auch 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges als der mächtigste Mann der Welt. In der globalen Wirtschafts- oder Außenpolitik geben die USA die Richtung vor. Auch innenpolitisch hat der US-Präsident eine ganz andere Rolle, als etwa der Bundespräsident in Deutschland. In Übersee gibt es keinen Kanzler. Es ist der Präsident selbst, der die Regierung stellt, von Gesundheitssystem bis Anti-Terror-Politik die Grundzüge der Innenpolitik festlegt und Oberbefehlshaber über die Streitkräfte ist. Aber wie kommt so ein mächtiger Mensch in sein Amt?

Die Präsidentschaftswahl in den USA folgt ganz eigenen Regeln, die erheblich von dem abweichen, was wir aus Europa kennen. Der Präsident wird durch das Volk, aber mittelbar über Wahlmänner gekürt. Diese Personenwahl lässt sich aus dem Prinzip der Volkssouveränität ableiten: Ein Verfassungsorgan, das derart mächtig ist, wie der US-Präsident, muss in einer eigenen Abstimmung gewählt werden und darf nicht – wie etwa die Bundesregierung in Deutschland – indirekt aus dem Parlament hervorgehen. Die Spielregeln für die Wahl des US-Präsidenten sind durch die Verfassung festgelegt. Die Wahl findet demnach alle vier Jahre statt. Kandidieren darf, wer älter als 35 Jahre sowie in den USA geboren ist und dort mindestens 14 Jahre lang seinen Hauptwohnsitz hatte.

Das ist formal eine sehr große Gruppe – faktisch jedoch hat nur Chancen auf das Amt des US-Präsidenten, wer das lange und vor allem teure Wahlprozedere durchstehen kann. Es besteht aus drei Phasen. Zunächst kürt jede Partei in den Vorwahlen aus mehreren Bewerbern den eigenen Präsidentschaftskandidaten. Das beginnt ungefähr zwei Jahre vor der eigentlichen Wahl des Präsidenten. Bereits der Wahlkampf der parteiinternen Konkurrenten ist teurer und aufwändig. Anschließend stimmen Delegierte der Partei über die Bewerber ab. Wer bundesweit die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann, zieht als offizieller Kandidat in die Wahlschlacht um das Weiße Haus in Washington.

In der zweiten Phase geht es darum, möglichst viele Wahlmänner und -frauen für sich zu gewinnen. Wenn die US-Amerikaner an die Urne treten, stimmen sie nämlich über das so genannte electorals college ab, in dem schließlich in der dritten Phase der Präsident gewählt wird. Jeder Bundesstaat entsendet abhängig von seiner Größe eine bestimmte Anzahl dieser Wahlmänner, insgesamt 538. Der neue US-Präsident muss die absolute Mehrheit, also mindestens 270 Stimmen, erhalten.

Das ist durchaus kompliziert. In den meisten Staaten ist es so, dass der Gewinner die Stimmen aller Wahlmänner bekommt. Stellt also beispielsweise ein Bundesstaat zehn Wahlleute und gewinnt Kandidat A mit 52 Prozent der Stimmen, Kandidat B erhält 48 Prozent, so stimmen alle zehn Wahlmänner für Kandidat A. Bei knappen Wahlsiegen führt dieses Prinzip bisweilen dazu, dass nicht der Kandidat Präsident wird, für den die meisten Amerikaner gestimmt haben – sondern der, der in den großen Bundesstaaten siegte.

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